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Kultur- und Bildungspolitik

14.09.2017 - Artikel

Stand: September 2017

Kulturpolitik

Das albanische Kulturleben hat sich seit dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems vor gut 25 Jahren beachtlich entwickelt. Das kulturelle Angebot ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen, aber nach wie vor stark auf private Initiativen und Sponsoring sowie internationale Förderung angewiesen. Die 40-jährige fast vollständige Isolation während des kommunistischen Regimes hat tiefe Spuren in der Kulturszene Albaniens hinterlassen, die nach wie vor großen Nachholbedarf in Sachen internationaler Vernetzung hat und Impulse aus dem Ausland dankbar aufnimmt. Regelmäßige kulturelle Veranstaltungen gibt es hauptsächlich in der Hauptstadt Tirana. Hier finden sich eine regelmäßig bespielte Oper (seit Februar 2017 voraussichtlich für drei Jahre im Umbau), mehrere Theater, ein Puppentheater, Museen, mehrere Konzertsäle, eine Kunstakademie, die private (auch von Deutschland geförderte) Filmhochschule Marubi und mehrere Kinos. Allgemein sind Zustand und Ausstattung der Einrichtungen nicht nur in der Provinz, sondern auch in Tirana, verbesserungsfähig. So fehlt es in Theatern häufig an professioneller Beleuchtung/Technik oder in Museen an ausreichender oder auch englischsprachiger Beschilderung.. Die albanischen Kulturinstitutionen leiden unter schwierigen strukturellen Bedingungen und knappen Budgets. Zudem fehlt häufig qualifiziertes Personal, das Erfahrung in der Leitung großer Häuser und strategischer Planung hat.

Im Land gibt es zahlreiche Kulturschätze, deren Präsentation ausbaufähig ist. Deutschland hat im Rahmen des Kulturerhalt-Programms des Auswärtigen Amts seit 1989 rund 20 Projekte zum Schutz des kulturellen Erbes in Albanien unterstützt. Im Jahr 2016 wurde das Nationale Fotografiemuseum „Marubi“ in Shkodra dabei unterstützt, seine 500.000 Negative – darunter auch 150.000 wertvolle Glasnegative – sachgemäß zu archivieren und für die Nachwelt zu erhalten.

Eine Förderung albanischer Kultur im Ausland durch albanische Institutionen gibt es bisher nur in Ansätzen, hat sich aber unter der seit 2013 im Amt befindlichen – und nicht nur in Person des Premierministers (und Künstlers) Edi Rama – kulturaffinen Regierung verstärkt (Beispiele: 2016 Ausstellung zeitgenössischer albanischer Kunst in Marseille, 2015 albanische Kulturwoche in Düsseldorf etc.).

Im November 2015 wurde das deutsch-albanische Kulturabkommen unterzeichnet, das die Grundlage der Zusammenarbeit beider Länder im Kultur- und Bildungsbereich bildet. Der kulturelle Austausch zwischen beiden Ländern findet bisher in der Mehrheit durch Auftritte deutscher Kulturschaffender in Albanien statt, z.B. im Rahmen des von der Deutschen Botschaft in Tirana koordinierten jährlichen „Deutschen Oktobers“. Der Schwerpunkt bei diesen Deutschlandwochen in Albanien liegt auf Projekten, die den Austausch und die Netzwerkbildung fördern – etwa durch Workshops für Studenten oder Nachwuchskünstler - und so die Entwicklung der albanischen Kulturszene nachhaltig unterstützen.

In Tirana gibt es ein Goethe Zentrum, das als Kooperationspartner des Goethe Instituts Sprachkurse anbietet und aktive Kulturarbeit betreibt.

Universitäts- und Schulwesen

Auch im Bildungssektor bleibt die Situation trotz umfassender und fortdauernder Reformanstrengungen schwierig. Ein an den Bedürfnissen des Marktes vorbeigehendes Bildungssystem, ein hohes Maß an Korruption und ein Mangel an sozial erfolgreichen Vorbildern diskreditieren grundsätzlich den Wert von Bildung. Allerdings investieren vermögende Eltern erhebliche Summen in die Ausbildung ihrer Kinder – wegen der beklagenswerten Qualität der meisten staatlichen Schulen und Institutionen wo immer möglich in eine Ausbildung im Ausland oder doch wenigstens in privaten Einrichtungen im Lande selbst.

Der Hochschulbereich war lange Jahre durch durch unkontrollierten Wildwuchs einer unüberschaubaren Zahl privater Universitäten (mehr als 40) gekennzeichnet, bis das Bildungsministerium im August 2014 zahlreiche private Universitäten schließen ließ, da die dortige Diplomvergabe nicht den Anforderungen entsprach. Dies wurde von Seiten der Regierung als Auftakt einer breitangelegten und in die Tiefe gehenden Reform des Hochschulwesens kommuniziert. Das r in der Folge entwickelte Gesetzesvorhaben bringt unter anderem Änderungen bei der Zusammensetzung der Gremien, der Finanzierung der Universitäten und den Zulassungsbedingungen mit sich und wurde vor allem von Seiten der staatlichen Universitäten, der dortigen Studentenschaft und der Opposition heftig kritisiert. Die Reform wurde erstmals zum Beginn des Wintersemesters 2016 angewendet.

Eine Lektorin des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DAAD) verstärkt die Germanistik-Fakultät an der Universität Tirana und unterhält ein Verbindungsbüro.

Die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) ist in Tirana durch einen Fachberater vertreten, der ein Netz von elf PASCH-Schulen (5 Tirana, 4 Elbasan, 2 Shkodra) betreut. Seit 2009 gibt es am Sami-Frasheri-Gymnasium in Tirana eine deutsch-albanische Abteilung, die ebenfalls durch von der ZfA entsandtes Lehrpersonal aus Deutschland unterstützt wird.

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